12. April 2011

    Liebes Tagebuch,

    heute war seit langem unsere erste Probe im Jahr 2011.

    Wir treffen uns im Proberaum und stellen uns gegenseitig vor. "Wolfschlag, angenehm!" und wischen die Spinnweben von den Amps.     Carlos neues Gitarrenkabel ist schon wieder kaputt: "Verfluchte Flitzekacke!" und Hannes reißt aus Freude erstmal seinen Verstärker     aus der Halterung. "Oh, schiete. Ähhhh, kaputt!". Alex sortiert kaputte Sticks aus und schmeißt die Auseinandergebrochenen durch     den Raum, während ich meine Gitarrenlautsprecher über den hubbeligen Boden in Position schiebe.

    "Test, Test! Also das Mikro funktioniert, nur die Höhen zischen mir die Öhrchen weg. Wer hat das denn eingestellt?" frage ich. Hannes     schraubt sofort die Lautstärke an den Monitorboxen um und Alex verstellt gleichzeitig das Mischpult. "Waaaah, Rückkopplung, viel zu     laut. ... Ja jetzt ist wieder zu leise." Alex schnauzt Hannes an: "Ey, lass mich mal, ich mach das." Hannes: "Warte kurz, ich kann das     hier einstellen." Carlos gesellt sich in die tagespolitische Diskussionsrunde. "Doch nur einer, sonst wird das nix." Ich meine: "Es ging     mir nur um die Höhen, nicht um die Gesamtlautstärke."

    Schön, die Kaffeetratschrunde ist wieder komplett und das Chaos hält Einzug.

    Alle haben trotz erster Probleme ein Lächeln im Gesicht. "Ach, ist das schön unaufgeräumt hier. Richtig gemütlich, so muss ein     Proberaum aussehen." sagt Carlos. Oh, ja, unser Proberaum sieht wirklich wie ein Proberaum aus. Carlos entschließt sich zum x-ten     Mal die unzähligen Kisten mit Krimskrams auszusortieren und zu stapeln. Der erste fällt schon wieder um. "Verdammt." "Mehr Liebe,     Carlos, mehr Liebe!" gibt Alex grinsend zum Besten. Carlos grummelt vor sich hin und stapelt die kleinen und großen Plastikkisten,     teilweise mit oder ohne Deckel zu einem wunderbaren Turm. "Respekt!" sage ich. Der Erbauer reißt die Hände zum Himmel: "Ja man."

    Doch erst jetzt erkennen wir Carlos teuflischen Plan. "Jetzt gibt´s ne Wand!" Und damit meint er nicht Obi. Nicht nur, dass er seinen     Standard-Verstärker anschließt, nein, auch sein ErsatzAmp ist mit am Kabel. Angeschlossen, angemacht, Gitarrenakkord:     Wrauuuuuwwwww! "Yeeeeaaahhh!" Das funzt ja. Alex gesellt sich sofort dazu: Bumms und de Schlach, Bumms und de Schlach! Und     Hannes schaut ob sein Verstärker auch noch funzt. Ich brülle "Test, Test, ZUGVÖÖGGGEEEEEL, TEST!" dazwischen. Ein Sinfonie-     Konzert der besonderen Art.

    Nach der vorausgehenden Spielwut geht es um den ersten Titel der gespielt werden soll. "Ahja, lass uns doch mit Er macht Frauen     unglücklich anfangen." Ich weigere mich. "Nein, am Anfang der Song und wir können meine Stimme einpacken." 2-6 Witze über mich     später wird "Schnipp" vorgeschlagen.

    Lärm, Intro, Strophe, Text vergessen. Ich fluche. Der Hohn und das Gelächter ist groß. Hannes: "Oh, der Bandopi zeigt sich heute     wieder von seiner fitten Form." Alex: "Alter, das Lied haben wir schon soooo oft gespielt. Es heißt: Es gingen einst die Dinos, hier wo     wir stehen, machten Liebe, waren glücklich!" Alex "singt" das Stück vor. Wieder Hohn. So schnell wendet sich das Blatt. Er ganz     trocken: "Ha Ha! Ich habe den Text nicht vergessen." Carlos: "Wurst, lass nochmal anfangen."

    Lärm, Intro, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Solo, Carlos greift voll in die Fünfe und verhaut das Solo. Hannes grinst sich einen Ast     spielt aber weiter. Alle ziehen die Nummer durch. Carlos kämpft, kämpft, da war mal ein richtiger Ton, dann wieder schiefe und schräge     Töne, jeder verzieht lachend das Gesicht. Das Lied wird erbittert zu Ende gespielt.

    Ich verleihe den Kreativ-Award des Tages an Herr Carlos A. Wolfschlag für sein einzigartiges Solo. Alle klatschen lauten Applaus.     Carlos verneigt sich. "Danke, Danke. Aber nicht doch. Danke."

    Christoph

 

 

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